Ein normales Gespräch mit einer KI vergisst alles, sobald es endet. Das Second Brain macht daraus ein echtes Gedächtnis: Sonntagnachmittag, irgendwo unterwegs, kommt eine gute Idee zu einem laufenden Projekt. Kurz per Handy diktiert: „Füge das zu Projekt XY hinzu, damit es nicht verloren geht.“ Tage später, wieder am Schreibtisch – die Idee taucht automatisch auf, sobald am selben Projekt weitergearbeitet wird, und fließt direkt in die Arbeit ein. Kein Zettel, kein Suchen, kein „hab ich da nicht mal was notiert?“ Fünf Bausteine machen das möglich: eine Wissensbasis, die überall gleich aussieht, Werkzeuge, die reale Dienste anbinden, eine Instanz, die niemals schläft, aufgeschriebene Arbeitsanweisungen und Routinen, die von selbst starten.
Knapp drei Minuten darüber, warum ein Gespräch mit einer KI jedes Mal bei null anfängt und was dagegen hilft. Der Film baut die fünf Bausteine der Reihe nach auf, jeden erst dann, wenn der vorige ihn nötig gemacht hat. Untertitel liegen bei und lassen sich im Player zuschalten.
ÜBERBLICK
Wie die drei Bausteine zusammenspielen
Mac, GitHub und Server gleichen sich laufend selbstständig ab – niemand muss den Sync manuell anstoßen.
01 / WissensbasisIn Betrieb
Second Brain — Der Obsidian-Vault
Die Grundlage für das Beispiel oben: Alles Wissen liegt als einfache Textdateien (Markdown) in einem strukturierten Ordner auf dem eigenen Mac – Notizen, Projekte, Kontext, Schreibstil. Eine zentrale CLAUDE.md-Datei fungiert als „Betriebsanleitung“: Sie sagt jeder Claude-Instanz, die den Vault öffnet, wer hier schreibt, wie sie arbeiten soll und wo was liegt. Ein Obsidian-Plugin gleicht den Ordner alle 5 Minuten automatisch (push & pull) mit einem privaten GitHub-Repository ab – das Repo wird so zur einzigen verbindlichen Quelle der Wahrheit, unabhängig vom Gerät.
Zum Nachbauen
Obsidian installieren, Vault als lokalen Ordner anlegen
Git-Sync-Plugin einrichten (z. B. „Obsidian Git“)
Privates GitHub-Repo anlegen und verbinden
Eine CLAUDE.md mit Grundregeln zum Vault schreiben
02 / WerkzeugeIn Betrieb
Konnektoren — Fertige und selbst gebaute Werkzeuge
Claude bekommt Zugriff auf reale Werkzeuge über zwei Wege. Offizielle Connectors lassen sich mit einem Klick in den Claude-Einstellungen aktivieren, ganz ohne eigenen Code. Selbst gebaute MCP-Serverkommen dort zum Einsatz, wo es (noch) keinen offiziellen Connector gibt oder ein Dienst genau zugeschnittene Funktionen braucht. Das Besondere daran: Diese Server müssen nicht klassisch programmiert werden – man beschreibt Claude Code in normaler Sprache, welche Funktionen gebraucht werden, und die KI schreibt den Server selbst (nach dem offenen MCP-Protokoll), lokal auf dem eigenen Rechner. Zugangsdaten bleiben dabei lokal, es ist kein fremder Zwischenserver involviert.
Prüfen, ob für den gewünschten Dienst schon ein offizieller Connector existiert
Falls nicht: Claude Code bitten, einen lokalen MCP-Server für genau diesen Dienst zu bauen
Server lokal registrieren (Claude Desktop verbindet sich automatisch)
03 / DauerbetriebIn Betrieb
Der zweite Claude — 24/7 auf einem eigenen Server
Neben der lokalen Nutzung läuft eine zweite, permanente Claude-Code-Instanz auf einem eigenen virtuellen Server (VPS), rund um die Uhr aktiv – in einer sogenannten tmux-Sitzung, die auch bei Verbindungsabbruch weiterläuft. Dieser Server hat über einen eigens dafür angelegten, eingeschränkten Zugangsschlüssel Lese- und Schreibzugriff auf genau das eine GitHub-Repository des Second Brain – nicht mehr. Vor jeder Aufgabe zieht sich der Server den aktuellen Stand, nach getaner Arbeit schreibt er seine Änderungen zurück. Zusammen mit dem lokalen 5-Minuten-Sync gleichen sich Mac, GitHub und Server so laufend ab, ganz ohne dass man es aktiv anstoßen müsste. Zugriff auf diese laufende Sitzung – auch vom Handy oder einem fremden Rechner ganz ohne Installation – funktioniert direkt über den Browser. Aus Sicherheitsgründen läuft der Server bewusst im manuellen Freigabemodus: Er fragt vor jeder Aktion nach, statt unbeaufsichtigt frei zu handeln.
Zum Nachbauen
Einen VPS mieten, Claude-Code-CLI installieren
Claude Code in einer tmux-Sitzung starten und mit dem eigenen Account anmelden
Dedizierten SSH-Schlüssel nur für das Vault-Repo anlegen (Lese- & Schreibrecht, sonst nichts)
Sync-Regel in CLAUDE.md festhalten: Pull vor, Push nach der Arbeit
Remote-Zugriff über den Browser aktivieren
04 / ArbeitsanweisungenIn Betrieb
Skills — Was einmal geklappt hat, ist wieder da
Ein Arbeitsablauf, der einmal gut lief, wird nicht erinnert, sondern aufgeschrieben: als Textdatei mit einem Namen, einer Beschreibung und dem Verfahren selbst. Taucht das Thema wieder auf, greift die KI von sich aus darauf zu und arbeitet den Ablauf ab, statt ihn neu zu erfinden. Das ist der Unterschied zwischen einer Notiz und einer Anweisung. Der Erklärfilm oben ist nach genau so einer Anweisung entstanden, vom Storyboard über die Bilder und die Vertonung bis zum Schnitt. Die Anweisungen liegen in einem eigenen privaten Repository und sind von dort in den Arbeitsordner verlinkt, es gibt also keine zweite Fassung, die auseinanderlaufen kann.
Zum Nachbauen
Nach einem gelungenen Ablauf die KI bitten, ihn als Anweisung festzuhalten
Die Datei unter ~/.claude/skills/ ablegen
Den Ordner versionieren und per Symlink einhängen, statt ihn zu kopieren
Beim nächsten Mal prüfen, ob die Anweisung wirklich greift
05 / AutomatikIn Betrieb
Routinen — Es wartet nicht darauf, gefragt zu werden
Der letzte Schritt macht aus dem Werkzeug ein System: Aufgaben, die zu einer festen Zeit von selbst starten, ohne dass jemand danach fragt. Drei laufen derzeit. Täglich um sieben ein Blick in Kalender und Kontakte, mit Meldung, was in den nächsten drei Tagen ansteht, Familiengeburtstage eingeschlossen. Montags das Einsammeln neuer Rechnungen ins Archiv, weil die Links in den Rechnungsmails nach etwa einem Monat sterben. Sonntags ein Abgleich, ob die Ablage noch den eigenen Regeln folgt. Die letzte ändert bewusst nichts von selbst, sondern schlägt nur vor. Ob ein Projekt ruht oder abgeschlossen ist, ist eine Entscheidung und kein Prüfergebnis.
Zum Nachbauen
Eine wiederkehrende Aufgabe als Routine mit Zeitplan anlegen
Sie einmal von Hand starten, damit die Freigaben hinterlegt sind
Jeden Lauf in einer Datei quittieren lassen, damit nichts doppelt läuft
Alles, was etwas ändert, nur vorschlagen statt ausführen lassen