Am Ende steht eine Datei. Bild, Bewegung, Stimme, Musik und Untertitel kommen vollständig aus der KI. Es gibt kein Projekt zum Zusammensetzen, keine Timeline und keinen Schnittplatz. Der Film unten ist das Ergebnis eines einzigen Nachmittags und hat 1,45 Euro gekostet. Er erklärt genau den Weg, auf dem er selbst entstanden ist.
3:47 Minuten, 17 Szenen, 1920×1080, mit Sprecher und Musik. Drei Szenen sind gefilmte Clips, vierzehn sind Animationen auf erzeugten Hintergründen. Was Sie sehen, ist die Datei, die am Ende der Produktion herausfiel — nachträglich verändert wurde daran nichts. Untertitel liegen mit 74 Blöcken bei und lassen sich im Player zuschalten. Sie sind ausgeschaltet, weil sie sonst über den Bildschirmtexten des Films liegen.
1,45 €Modellkosten gesamt
336Credits bei kie.ai
3:47Minuten Laufzeit
0Schnitte von Hand
Womit gerechnet wird
Alle Modelle laufen über kie.ai, einen Anbieter, der Bild-, Video-, Sprach- und Musikmodelle unter einem Zugang bündelt. Abgerechnet wird in Credits aus einem Guthaben, nicht über ein Abonnement: 200 Credits kosten einen Dollar, ein Credit also gut vier Zehntelcent. Wer einen Monat nichts produziert, zahlt in diesem Monat nichts. Jede Zahl auf dieser Seite ist eine abgerechnete Summe von dort, keine Schätzung.
Zum Vergleich: Eine frühere Produktion nach demselben Verfahren lag bei 239 Credits und 1,03 Euro. Ein Abonnement bei einem der bekannteren Videodienste kostet im Monat ein Vielfaches beider Filme zusammen, und läuft weiter, auch wenn man nichts dreht.
DIE STILFRAGE KOMMT ZUERST
Achtundzwanzig Stile, ein Motiv.
Die Fachbegriffe für Trickfilmstile sind zahlreich und wenig anschaulich. Wer „Rubber Hose", „Ligne Claire" und „Risograph" liest, weiß immer noch nicht, wie das Ergebnis aussieht. Deshalb wurde dasselbe Motiv — ein Mensch am Schreibtisch, vor sich eine schwebende Kugel — achtundzwanzigmal erzeugt. So vergleicht man Stile und nicht Motive. Jeder Stil hat anschließend eine Bewegungsprobe bekommen, denn was im Standbild trägt, muss es in Bewegung noch lange nicht.
Die ganze Reihe kostete 174 Credits bei kie.ai, also 75 Cent. Mit den einunddreißig Bewegungsproben zusammen 614 Credits — 2,64 Euro für die vollständige Bibliothek.
Jede Kachel lässt sich auch einzeln anklicken, dann läuft der Clip groß, mit Beschreibung.
Ein neunundzwanzigster Stil ist nicht aus dem Modell entstanden, sondern aus einer vorhandenen Illustrationsbibliothek abgeleitet: eine Strichstärke über das ganze Bild, Tinte auf Weiß, Haar als volle schwarze Fläche, Schattierung ausschließlich über ein grobes Punktraster, Grün als einziger Akzent.
Das ist keine Nachahmung eines Looks, sondern ein vorhandener Hausstil. Für Animationen lassen sich die Originalgrafiken direkt einsetzen. Kein Modell, keine Kosten, keine Stildrift und keine Kennzeichnungsfrage. Neue Motive entstehen über einen Nachbau mit drei Originalen als Vorlage, dann allerdings nachgezeichnet statt entnommen.
Der Clip rechts ist so ein Nachbau, in Bewegung gesetzt. Er hält den Strichstil, das Punktraster und den Akzent über acht Sekunden. Nur die Kugel wächst und bekommt eine Oberfläche, die im Original nicht existiert. Der Stil selbst ist reproduzierbar, das Detail nicht ohne Kontrolle.
DIE REIHENFOLGE IST DIE LEISTUNG
Nicht das Werkzeug ist schwierig, sondern die Reihenfolge.
Hübsche Bilder ergeben noch keinen Film. Was den Unterschied macht, ist die Folge der Schritte — und ein Tor in der Mitte, das man nicht überspringt. Der erste Teil kostet nichts und lässt sich beliebig oft ändern. Der zweite kostet Geld und Zeit. Wer beides vermischt, produziert seine Fehler mit.
Teil 1 — kostet nichts
Konzept
Stil festlegen. Vor allem anderen, anhand von Musterbildern. Eine unbeantwortete Frage ist keine Zustimmung.
Recherchieren und aussortieren. Lieber fünf Dinge, die sitzen, als fünfzehn zum Vergessen.
Sprechtext schreiben. Er ist der eigentliche Film: An ihm hängen Länge, Schnitt und jede Bildidee.
Szenen und Bildprompts planen. Figuren und Gegenstände wortgleich festnageln.
⛔FreigabeBis hierher ist kein Cent ausgegeben. Eine Textänderung kostet eine Minute. Nach der Produktion zieht dieselbe Änderung neue Vertonung, neue Zeiten, neuen Render und neue Mischung nach sich.
Teil 2 — kostet Geld
Produktion
Vertonen und messen. Erst jetzt stehen die echten Szenenlängen fest.
Standbilder erzeugen, ansehen, wiederholen, was nicht sitzt.
Bewegen lassen, aus dem Standbild, mit fester Kamera.
Schrift und Bewegung darüberlegen, als HTML, nicht im Bildmodell.
Musik, Mischung, Untertitel, automatisch aus den gemessenen Zeiten.
Der Schritt, den es hier nicht gibt, ist der Schnitt. Die Szenenlängen stehen vor dem ersten Clip fest, jeder Clip wird auf seine Länge erzeugt, und das Zusammenfügen ist ein Skript. Am Ende steht eine MP4-Datei, kein Projekt zum Zusammensetzen.
WAS ZWEI PRODUKTIONEN GELEHRT HABEN
Acht Regeln, die den Unterschied machen.
01
Der Grund kommt aus derselben Quelle wie der Film
Die vierzehn Animationsszenen liegen auf Hintergründen, die mit demselben Bildmodell und demselben Stil-Block erzeugt wurden wie die drei Filmclips. Deshalb gibt es zwischen Film und Animation keine Naht. Jede andere Bauweise ahmt den Stil ein zweites Mal mit einem anderen Werkzeug nach — und genau dort bricht ein Film auseinander.
150 Credits für 14 Hintergründe. 45 % der Modellkosten, in Zahlen 65 Cent.
02
Die Kamera muss stehen
In einunddreißig Bewegungsproben war nie das Material das Problem, sondern die Fahrt. Sobald das Videomodell zoomt oder schwenkt, rechnet es das Bild neu und der Stil driftet. Mit fester Kamera tragen 26 von 28 Stilen über die volle Länge.
Nur Pixel Art und Voxel brechen: Ihr Raster skaliert mit, statt absolut zu bleiben.
03
Kein Clip ohne Standbild
Kein einziger Shot entsteht aus einem Textprompt allein. Erst wird ein Bild erzeugt, angesehen und notfalls wiederholt. Bewegt wird nur der Gewinner. Ein Bild kostet weniger als die Hälfte eines Clips, und man sieht vorher, was man bekommt.
Ein Bild in 2K: 10 Credits. Vier Sekunden Film: 14.
04
Schrift gehört nicht ins Bildmodell
Jeder Satz auf dem Bildschirm ist als HTML über den erzeugten Grund gelegt, nicht ins Bild hineingerechnet. So ist er scharf, in jeder Sprache richtig geschrieben, nachträglich änderbar — und kostenlos.
Alle Bildschirmtexte des Films: 0 Credits.
05
Erst die Stimme, dann der Schnitt
Die Szenenlängen entstehen aus der gemessenen Vertonung, nicht aus einer Schätzung. Wer die Clips vorher festzurrt, plant sechs Sekunden für einen Satz, der neun braucht, und schneidet ihn dann kaputt.
Faustregel 2,5 Wörter je Sekunde. Zweimal nachgemessen, zwei verschiedene Werte: 2,21 und 2,38.
06
Was nicht festgenagelt ist, wird gewürfelt
„Eine Person" reicht nicht. Die Lücke füllt das Modell selbst, und zwar nicht zweimal gleich. In einer Reihe von 28 Bildern entstand so 27-mal ein Mann und einmal eine Frau. Dasselbe gilt für Gegenstände: „vier Papierobjekte" ergab Herz, Stern, Wolke und Blatt statt Bild, Filmstreifen, Sprechblase und Note.
Figurenbeschreibung wortgleich in jeden einzelnen Prompt.
07
Rechnen Sie mit Ausfällen
Das eingeplante Sprachmodell war über beide Produktionen hinweg rund zwanzig Stunden gestört. Weil ein zweiter Anbieter über denselben Zugang erreichbar war, wurden beide Filme trotzdem fertig. Ein Ausfall kostet keine Produktion, solange eine zweite Quelle bereitsteht.
Preis des Umstiegs: eine Stunde und ein anderes Eingabeformat.
08
Jedes Video wird gekennzeichnet, auch der Trickfilm
Artikel 50 der KI-Verordnung verlangt eine Kennzeichnung dort, wo Inhalte echten Menschen oder Ereignissen zum Verwechseln ähnlich sehen. Ein sichtbar gebauter Trickfilm fällt nicht darunter, die synthetische Stimme aber ist der offene Punkt: Sie klingt von einer echten nicht zu unterscheiden. Solange das nicht sauber ausjudiziert ist, trägt jedes Video oben rechts zwei Sekunden lang den Hinweis „KI-generiert". Kein Fotorealismus bleibt trotzdem Regel, weil er einen ganzen weiteren Pflichtenkreis auslöst.
Artikel 50 verbindlich seit 2. August 2026. Kennzeichnung als eigene Entscheidung seit 16. August.
ZUM NACHBAUEN
Die beiden Arbeitsanweisungen, im Original.
Alles oben Beschriebene steht in zwei Textdateien. Sie sind keine Dokumentation im Nachhinein, sondern die Anweisungen, nach denen die KI die Filme tatsächlich produziert hat, samt der Fehler, die dort inzwischen als Regel stehen. Herausgenommen sind nur Dateipfade und der Hinweis, wo der Zugangsschlüssel liegt.
schulung/SKILL.md894 Zeilen · 49 KB
Der Produktions-Skill
Führt von der ersten Frage bis zur fertigen Datei: Briefing, Stilfreigabe, Storyboard, das Freigabe-Tor, Vertonung, Bilder, Clips, Animation, Mischung und Untertitel.
Regelt alles Technische darunter: welches Modell welche Eingabefelder erwartet, wie Aufträge gestellt und Ergebnisse abgeholt werden, wie Kosten protokolliert werden und wo die Fallen liegen. Der Produktions-Skill enthält bewusst keine einzige Preiszahl, damit es nur eine Quelle dafür gibt.
Beide Anweisungen rufen ein kleines Hilfsskript auf, das den Hinweis „KI-generiert" auf ein fertiges Video legt. Damit die Anleitung vollständig ist, liegt es hier daneben: kennzeichnung.py(73 Zeilen). Es rechnet die Maße aus der Bildhöhe und legt das Original unverändert daneben.
WOFÜR SICH DAS EIGNET
Zwei Verwendungen, ein Verfahren.
Erklärvideo
Ein Sachverhalt, vier Minuten, ein fester Ablauf. Der Regelfall, und das, was die meisten meinen, wenn sie „Erklärvideo" sagen.
Dieselbe Kette, andere Dramaturgie: Statt eines Vortrags mit Folien läuft ein Film, der auch ohne Vortragenden funktioniert und beliebig oft gleich gut ist.